Wasserstoff. Norddeutsch. Persönlich – Andreas Wellbrock
Andreas Wellbrock ist Geschäftsführer der Green Fuels GmbH (https://www.h2non.de/about/h2non-wasserstoffnetzwerk-mitglieder-traeger/green-fuels-gmbh/). 2019 machte er sich gemeinsam mit Partnern aus der Windenergie selbstständig, um Wasserstoffprojekte umzusetzen. Mit der 2020 gegründeten Projektgesellschaft HY.City.Bremerhaven (https://www.efarm.nf/hycitybremerhaven/) entstand das erste Wasserstoff-Ökosystem der Stadt – von Grünstrom über grünen Wasserstoff bis zur Tankstelle, an der heute ÖPNV-Busse, Nutzfahrzeuge und Pkw betankt werden.
Was motiviert Sie, im Bereich Wasserstoff zu arbeiten?
Wasserstoff ist für mich ein extrem spannendes Thema, zumal meine Partner und ich aus der Wind- und Solarenergie kommen. Wir erzeugen bereits große Mengen grünen Stroms, stoßen damit aber allein an Grenzen. Um weitere Sektoren wie Verkehr, Industrie oder Wärme klimaneutral zu machen, brauchen wir zusätzliche Lösungen – und genau hier spielt Wasserstoff eine zentrale Rolle.
Wasserstoff lässt sich in großen Mengen speichern, etwa in unterirdischen Kavernen, und hilft so, Versorgungssicherheit auch in Zeiten mit wenig Wind und Sonne zu gewährleisten. Zudem kann Energie über Wasserstoff-Pipelines deutlich effizienter und kostengünstiger transportiert werden als über Stromleitungen. Für mich ist besonders reizvoll, dass wir das nicht nur theoretisch diskutieren, sondern praktisch umsetzen: In Bremerhaven zeigen wir im Alltag, etwa mit Wasserstoffbussen (https://www.bis-bremerhaven.de/de/news/sieben-brennstoffzellenbusse-fuer-bremerhaven/563), dass diese Technologie funktioniert und akzeptiert wird.
Auf welchen persönlichen Erfolg sind Sie besonders stolz?
Ich bin besonders stolz darauf, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette aufgebaut und damit das Henne-Ei-Problem gelöst haben – von grünem Strom über Wasserstoff bis zur Anwendung im ÖPNV und an der Tankstelle. Entscheidend war dabei die Zusammenarbeit mit starken Partnern und unsere konsequent lösungsorientierte Arbeitsweise, mit der wir auch als Vorreiter immer Wege nach vorn gefunden haben.
Was hat Sie zuletzt im Bereich Wasserstoff positiv überrascht
Positiv überrascht mich, dass sich das Thema nach dem großen Hype inzwischen wieder auf die wirklich engagierten Akteure konzentriert hat. Das erleichtert die Zusammenarbeit, weil man gemeinsam ernsthaft an Projekten arbeiten und das Thema weiter voranbringen kann.
Besonders spannend ist für mich, wie greifbar Wasserstoff inzwischen geworden ist. Ein gutes Beispiel ist ein Festival (https://h2-news.de/wirtschaft-unternehmen/brennstoffzelle-von-zeppelin-power-systems-versorgt-festival-mit-gruenem-strom/) , das wir gemeinsam mit dem Unternehmen Zeppelin Power Systems (https://www.zeppelin-powersystems.com/de/de/) als Partner komplett mit Strom aus Wasserstoff versorgt haben, dafür hatten wir einen Wasserstoff-Hybrid-Generator gebaut. Viele Besuchende waren überrascht zu sehen, dass solche Anwendungen heute schon funktionieren. Diese direkte Erfahrung schafft Akzeptanz – und genau das ist aktuell eine sehr positive Entwicklung.
Welche Person würden Sie gerne auf einer deutschen Messe oder Konferenz zum Thema Wasserstoff treffen?
Ich habe keine einzelne Person im Fokus. Auf Messen nehme ich mir bewusst Zeit, über die Stände zu gehen und ins Gespräch zu kommen, weil oft gar nicht transparent ist, wer woran arbeitet. Mich interessiert, was gezeigt wird, wie es funktioniert und ob sich daraus eine Zusammenarbeit entwickeln kann.
So ist zum Beispiel der Kontakt zu Zeppelin entstanden, nachdem ich mir einen ausgestellten Generator genauer angeschaut habe. Ähnlich war es bei einem Unternehmen, das eine Rangierlokomotive auf Wasserstoff umgerüstet hat – daraus könnte ein realer Testbetrieb in Bremerhaven entstehen. Auch mit einem großen Baumaschinenhersteller planen wir aktuell, einen wasserstoffbetriebenen Radlader im Realbetrieb zu testen. Genau diese offenen Begegnungen, das gemeinsame Weiterdenken und Entwickeln, machen für mich den besonderen Reiz solcher Messen aus.
Welches Wasserstoff-Projekt oder welchen innovativen Ort – egal wo auf der Welt – würden Sie gern einmal näher kennenlernen?
Mich interessieren besonders internationale Vorreiterprojekte. In Europa gibt es zum Beispiel in Wien Ansätze, die unserem Modell ähneln, und gerade hier würde ich mir mehr Austausch zwischen solchen Projekten wünschen.
Darüber hinaus finde ich Asien sehr spannend, vor allem China. Dort ist man in vielen Bereichen der Wasserstofftechnologie bereits deutlich weiter, als man hier oft wahrnimmt. Dass Wasserstoff inzwischen fest im chinesischen Fünfjahresplan verankert ist, zeigt, welchen Stellenwert das Thema dort hat. Sich vor Ort anzuschauen, was bereits umgesetzt wird, wäre für mich äußerst interessant.
Wir befinden uns im Jahr 2035, in einem Satz: Woran merkt man im Alltag die Bedeutung von Wasserstoff?
Im Jahr 2035 merkt man die Bedeutung von Wasserstoff daran, dass Elektromobilität und Wasserstoff selbstverständlich nebeneinander existieren: Städte sind spürbar leiser und sauberer, Busse und Nutzfahrzeuge fahren nahezu geräuschlos und ohne Abgase, was die Lebensqualität – besonders in Innenstädten und an Haltestellen – deutlich verbessert.